
In Bern werden immer mehr Menschen aus ihren Wohnungen und Quartieren verdrängt. Immobilienbesitzer:innen kündigen Wohnungen leer, nur um die Mieten danach massiv zu erhöhen und ihre Profite zu steigern. Bezahlbarer Wohnraum verschwindet damit zunehmend.
Diese Entwicklung ist kein Zufall. Sie ist das Resultat von Profitdenken auf Kosten der Mieter:innen. Wir wollen die Stadt Bern dabei unterstützen, bestehenden bezahlbaren Wohnraum besser zu schützen. Deshalb fordern wir neben einer aktiven Wohnbaupolitik auch eine Meldestelle für Leerkündigungen.
142 Mietparteien müssen am Loryplatz raus
Am Loryplatz werden acht Häuser mit insgesamt 142 Wohnungen leergekündigt – ohne Angaben zu den zukünftigen Mietpreisen. Die betroffenen Mieter:innen verlieren ihr Zuhause in einem Quartier, in dem sie teilweise seit Jahren leben und ihr soziales Umfeld haben. Angesichts der tiefen Leerwohnungsziffer und steigender Mieten wird es für sie schwierig, im selben Quartier eine bezahlbare Wohnung zu finden. Und die Mieter:innen am Loryplatz sind kein Einzelfall: Leerkündigungen haben in der Stadt Bern stark zugenommen. Die Gentrifizierung schreitet rasch voran und droht, Menschen zu verdrängen und ganze Quartiere unbezahlbar zu machen. Erst kürzlich hat eine Forschungsgruppe der ETH untersucht, wer nach Leerkündigungen in den fünf grössten Agglomerationen und Städten der Schweiz in die betroffenen Wohnungen einzieht. Laut der Studie verdienen die neuen Mieter:innen rund doppelt so viel wie ihre Vormieter:innen.
Steigende Mieten durch unnötige Leerkündigungen
Der Plan der Immobilienbesitzer:innen ist klar: Mit unnötigen Leerkündigungen sollen im Anschluss die Mieten erhöht und damit höhere Renditen erzielt werden. Dabei wird genau kalkuliert, wie sich aus den Liegenschaften mehr Profit herausholen lässt – inklusive detaillierter Berechnung der neuen Mietpreise. So verschwindet bezahlbarer Wohnraum Stück für Stück, und Mieter:innen verlieren ihr Zuhause.
Die Stadt Bern muss dieser Entwicklung entschieden entgegentreten. Deshalb fordern wir im Stadtrat im Rahmen der bereits in Arbeit befindlichen Mietzinskontrolle eine städtische Meldepflicht für Leerkündigungen.
Mit der Einführung einer städtischen Meldestelle würde Bern eine bestehende Lücke schliessen, Transparenz schaffen und ein wichtiges Instrument zur Unterstützung betroffener Mieter:innen sowie zur Mietzinskontrolle bei Sanierungen erhalten. Eine Meldepflicht hätte zudem eine präventive Wirkung: Sie schafft eine zusätzliche Hürde für Immobilienbesitzer:innen und kann unnötige Leerkündigungen verhindern. Gleichzeitig ermöglichen die gesammelten Daten der Stadt, den Wohnungsmarkt besser zu analysieren und gezielt gegenzusteuern – etwa zur Förderung der sozialen Durchmischung und des gesellschaftlichen Zusammenhalts in den Quartieren. Mit einer soliden Datengrundlage kann die Stadt durch eine direkte Kontaktaufnahme Betroffene zudem aktiv unterstützen, etwa bei der Wohnungssuche oder mit Informationen zu ihren Rechten.
Bis eine solche Meldestelle existiert, brauchen wir dich: Melde Leerkündigungen direkt bei uns “Leerkündigungen in der Stadt Bern – SP Stadt Bern” – egal, ob du selbst betroffen bist oder davon erfährst. Wir machen den Druck auf die Mieter:innen sichtbar und leiten die Meldungen an die Stadt Bern weiter.
Autorinnen:
Lena Allenspach, Stadträtin und Co-Präsidentin SP Stadt Bern
Monique Iseli, Stadträtin SP Stadt Bern
Foto: Stadt Bern